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Wie Jogginghosen salonfähig werden
War die Jogginghose bisher der Inbegriff von Stillosigkeit, so verwenden Designer nun zum ersten Mal die Jogginghose in ihren Kollektionen. Wird die Jogginghose damit endlich salonfähig?
“Casualisierung” lautet das Stichwort. Denn die Menschen kleiden sich immer lässiger und lockerer. Galt vor einigen Jahren die Sweatjacke auch noch als nicht straßentauglich, so ist sie inzwischen Fashion-Item. Auch die Hollywood-Stars leben es uns vor. Denn in den USA ist der Jogging-Look schon längst modern. Fast täglich finden wir Fotos in den Zeitschriften von Stars in Jogginghosen. Ob in grau und über den Knöcheln geschoppt und mit einer Pailletten-Jacke kombiniert oder zu einer Shorts gekrempelt mit einem klassischen Trenchcoat darüber, die Designer versuchen die Jogginghose langsam mit in ihre Kollektionen einzubauen. Zudem heißt Jogginghose ja nicht gleich Baumwoll-Mix in Grautönen. Einige Modehersteller bieten schon viele Varianten der Jogginghose an. Ob bunt gemustert, oder aus reiner Wolle, auch Blümchenmuster und neue Schnitte machen die Jogginghose langsam aber sicher salonfähig.
Wer die “Schlabberhose” in der kommenden Saison gerne gut kombinieren möchte, sollt auf zwei wichtige Dinge achten! Das Oberteil sollte immer figurbetont sein. Keine Over-Size-Tops oder weiten Blusen. Mit einem kurz geschnittenen Top oder einem taillierten Blazer wird das Outfit ausgehfähig.
Außerdem sollten stets High Heels anstatt Turnschuhen getragen werden. Die strecken das Bein optisch und lassen die Kombination eleganter wirken. Wer partout keine High Heels tragen will, der sollte Ballerinas kombinieren.
Jogginghosen, top oder flop?
Über Geschmack lässt sich ja bekanntlich streiten. Über Modegeschmack ganz sicher auch. Auch wenn man natürlich zugestehen kann, dass das eine oder andere modisch angepasst oder gar im Trend ist oder nach hiesiger Konvention und Übereinkunft nun einmal gar nicht optisch zusammen passt. Über Geschmacksfragen entfachen ja bekanntlich die größten, heftigsten und argumentativ kaum zu lösenden Streitigkeiten und es werden sich wohl kaum derart viele Geister an der Frage scheiden, ob eine Jogginghose in irgendeiner Form chic oder gar lässig und elegant sein könne.
Denkt man ein wenig in der Zeit zurück, dann muss man zu dem Ergebnis kommen, dass die Jogginghose schon immer in Mode war und in den aufkommenden Jahren für Fitness und Aerobic fast schon den Charakter einer Metonymie hatte. Wer damals eine sportliche Hose trug, der symbolisierte ja seiner Umwelt, dass er in irgendeiner Art und Weise in Bewegung war. Doch bevor sich diese Interpretation etablieren konnte, entwickelte sich die Jogginghose zum Zeichen des total verkehrten Gegenteils. Denn eine weitere zentrale Funktion und Eigenschaft der Jogginghose war und ist, dass man auch sportlich wirken kann, ohne sich aktiv sportlich zu betätigen, abgesehen von Fingerakrobatik mit der Fernbedienung, wie man bald erkannte.
Folglich durchlief die Jogginghose eine Metamorphose zum Symbol für Bequemlichkeit und einen Menschen, der sich nicht mehr als zwischen Couch, Fernseher, Toilette und Küche bewegen will. Traf man dann dennoch einen Menschen dieser Sorte in der Öffentlichkeit an, so wurde allgemein das Tragen der Jogginghose als ein Zeichen von Nicht(be)achtung der eigenen Umwelt und deren Meinung gegenüber der eigenen Person verstanden. So entwickelte sich die Jogginghose – entdeckt durch HipHop-Szene – auch als ein Protestmerkmal gegenüber bürgerlichen Konventionen. – Auch wenn die HipHop-Szene schnell bemerkte, dass sich dieser Protest vielleicht noch ein wenig besser in feinen Anzügen zelebrieren lässt.
Trotz allem kann man nicht behaupten, dass all dies dazu geführt hat, die Jogginghose aus der Modewelt zu entfernen. Aktuell steht sie hoch im Kurs. Nicht nur Madonna trägt sie, sondern auch der Designer Michalsky wies kürzlich lobend daraufhin, dass eine Kombination von Jackett und gutem T-Shirt als Kontrast zur Jogginghose durchaus einen besonderen Reiz haben könnte. Lediglich ein Erkennungsmerkmal hat sie verloren: Die Jogginghose steht nicht mehr für Entspannung. Da wird es schon eine Herausforderung, die Jogginghose derart zu kombinieren, dass bei der eigenen Umwelt keine Missverständnisse und Fehldeutungen aufkommen können.
Somit ist die Jogginghose durch diese Lebensgeschichte gegenwärtig zu einem kompliziertesten Kleidungsstücke überhaupt geworden. Wie einfach lässt sich dagegen schon beispielsweise ein Jackett kombinieren?